Eine Frage der Philosophie - DTP und Textverarbeitung

Vor dem Einstieg in die Welt des (semi-) professionellen Desktop Publishing ist es aber erstmal wichtig die dahinter stehende Philosophie zu verstehen und die bisherige Vorgehensweise bei der Bucherstellung zu überdenken.

Die Herangehensweise bei der Erstellung eines Buches scheint ja erstmal klar zu sein: Du formulierst einen knackigen, interessanten Text und lockerst ihn anschließend durch passende Bilder oder Grafiken auf. Seitenränder, Textabstände und ein brauchbares Layout sind durch deine Textverarbeitung  bereits grob vorgegeben. Wenn die ganze Sache immer zu langweilig aussieht, dann fügst Du ein paar farbige Linien ein und lädst dir vielleicht noch einige ungewöhnliche Schriftarten runter um dem ganzen mehr Pepp zu geben.

Für den Hausgebrauch funktioniert das auch ganz gut und zügig. Um wirklich anspruchsvolle Ergebnisse zu produzieren, musst dich aber aus den Niederungen der büroorientierten Textverarbeitung lösen und dich in die Welt der Layouter hineinversetzen.

DTP Designer und Layouter ticken nämlich anders und sind –was Druckerzeugnisse betrifft – sehr oberflächliche Typen. Am liebsten haben sie erstmal gar nichts auf der Seite. Nur wenn es unbedingt notwendig ist, unterbrechen Sie dieses „Nichts“ mit Inhaltselementen wie Grafiken, Bildern oder Infoblöcken.

Ein informativer Text ist für sie nur eines von vielen Gestaltungselementen und steht nicht unbedingt im Mittelpunkt. Wichtig ist die Gesamtsaussage des Buches oder der Broschüre. Bilder, Grafiken und Text müssen eine Einheit bilden und einen gemeinsamen Grundton treffen, die so genannte „Tonality“.

Die Stimmigkeit dieser Aussage ist auch für dein Projekt entscheidend!

Ein Beispiel:
Willst Du deine Kanada Rundreise in Buchform bringen und etwas über die weite, wilde Landschaft erzählen die dich so beeindruckt hat? Dann wäre z.B. eine seriöse, fast theatralische „Tonality“ angebracht, die Du mit großformatigen Panoramabildern, sparsamen Textpassagen mit weiten Abständen in dezentem Grauton und sachlichem Tonfall erreichst. Gelegentlich streust Du dann noch historische Zitate oder Fakten von Jack London und Co. ein. Gedruckt werden muss so was in breitem Format auf Hochglanzpapier mit Leineneinband.

Dann wird jedem deiner Leser klar, was er in Anbetracht des ewigen Stromes der Generationen und der gewaltigen, erosiven Kräfte der ungebändigten, kanadischen Wildnis für ein elender, kurzlebiger Wurm ist. (Genau so ging’s dir ja schließlich auch, oder?)

Im Mittelpunkt steht also beim DTP Publishing nicht zuerst der Text, sondern das Gesamtwerk, die Mischung aus Inhalt und Layout. Genau wie diese Philosophie funktioniert auch die dazugehörige DTP Software wie InDesign, Quark Express oder eben Scribus.

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